Rückblick Sonntags Matinee vom 6. Oktober 2019

„The Twiolins“: Betörende Geigenklänge – kraftvolle Rhythmen

Antonin Vivaldis Violinkonzerte „Vier Jahreszeiten“ gehören zu den bekanntesten und in unterschiedlichen Interpretationen gespielten Kompositionen des Barock. In der Sonntagsmatinee am 6. Oktober 2019 auf Burg Vondern stellte das virtuose Geschwisterpaar Marie-Luise und Christoph Dengler als Geigenduo „The Twiolins“ unter dem Titel „Eight Seasons“ dem Werk Vivaldis elf kontrastierende Tangos von Astor Piazzolla gegenüber. In den Arrangements von Christoph Dengler erschienen die weitgehend vertrauten Kompositionen unter einem z.T. neuen, überraschenden Aspekt.

The Twiolins auf der Bühne in der Remise der Burg Vondern: Marie-Luise und Christoph Dengler

Mal im Duo der Geigen, mal im Duo einer Geige mit dem gedämpften Ton der Viola, die auch als gezupftes Rhythmusinstrument eingesetzt wurde, nahmen die Musiker die Hörer mit auf eine musikalische Reise, in der die Grenze zwischen dem barocken 18. und dem 20. Jahrhundert aufgehoben wurden.

Vivaldis „Jahreszeiten“ sind zunächst Programmmusik, in denen sich eine fröhlich unbeschwerte Melodie mit in Tönen gemalten Naturbildern abwechselt. Hier zwitschern die Vögel, Gewitter ziehen auf, und man hört eine Jagd und erlebt einen Bauerntanz. Der Phantasie sind bei dieser Musik keine Grenzen gesetzt. Aber Musik erschafft nicht nur Bilder, sondern auch Erlebnisräume.

Und darin besteht die Vergleichbarkeit mit dem Tango Nuevo, in dem Piazzolla den ursprünglichen Tang argentino zum klassischen Konzertstück formte. Auch er schreibt deskriptive Musik, was die Titel der Tangos teilweise ausweisen (z.B. „Buenos Aires Hora Cero“). Aber die exzentrisch pulsierenden Rhythmen sind mehr als das Abbild der modernen Großstadt. Und in weitgreifenden Melodien wie „Oblivion“ oder „La Muerte del Angel“ entfaltet sich die generell melancholische Stimmung des Tangos, durch die Piazzolla weltweit bekannt wurde.

Ohne Notenblatt, mit kurzem Blickkontakt und mit überbordender Spielfreude gestalteten die seit Jahren zusammen konzertierenden Twiolins den musikalischen Dialog. Im perfekten Zusammenspiel, mit technischer Präzision und voller Leidenschaft boten beide eine Performance, die vom beeindruckten Publikum entsprechend gewürdigt wurde.


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